Auf ein Bier mit Maradona

Wenn Jessica Prelle von ihrer Arbeit in Dubai erzählt, dann merkt man ihr die Leidenschaft für den Mädchen- und Frauenfußball regelrecht an. Ideale Voraussetzungen also, um das Amt der Geschäftsstellenleiterin beim Bundesligisten SC Sand zu übernehmen. Dort ist die 37-Jährige vor wenigen Wochen eingestiegen und wird zum 1. Juli ihre langjährige Vorgängerin Claudia von Lanken beerben. Ab sofort heißt es für die Norddeutsche also Weinberge anstatt Wüste und zum Biertrinken kann sie sich fortan nicht mehr mit Diego Maradona treffen, allenfalls stünden hierfür Sascha Reiß oder Gerald Jungmann zur Verfügung. Ein Vergleich, der sicherlich auch seinen Charme hat …

Im Alter von 22 Jahren zog es die gelernte Werbekauffrau nach Dubai. „Eigentlich mit der Absicht, mal ein Jahr im Ausland zu verbringen“, berichtet sie. Geworden sind daraus 15 Jahre und ein beruflicher Weg, der so nicht vorherzusehen war. Eine persönliche Beziehung zu dem Wüstenland hatte Jessica Prelle schon allein dadurch, dass ihre beiden Schwestern mit Familie bereits dort lebten. Die junge Auswanderin schloss sich schnell einem kleinen Fußballverein an und setzte damit ihr Hobby, das sie bereits in ihrer Heimat in der Nähe von Hannover ausübte, fort. Schnell war klar, dass die blonde Deutsche mehr als nur eine Mitläuferin in ihrem Team sein sollte. Von der Kapitänin über die Leitung einer oder mehrerer Ligen ging die Karriere einen ganz eigenen Weg. „Irgendwann bekam ich einen Anruf des Verbandes mit der Frage, ob ich mein Hobby nicht zum Beruf machen wolle“, berichtet Prelle. Schnell war für sie aber klar, dass es sich bei ihr, wenn überhaupt, um Mädchen- und Frauenfußball drehen sollte. „Daraufhin sagte man mir vonseiten des emiratischen Verbandes, ich habe sechs Monate Zeit, etwas aufzubauen.“ Das war für die junge Frau eine Herausforderung, die sie sich nicht entgehen lassen wollte. Nach Jahren akribischer Aufbauarbeit ist Frauenfußball in Dubai kein Fremdwort mehr – dank Jessica Prelle.

Eine ihrer Zöglinge in Dubai war unter anderem eine Fußballerin argentinischer Abstammung namens Rocio – keine geringere als die damalige Verlobte von Diego Maradona. „Mittlerweile sind Diego und ich gut befreundet“, sagt Prelle, die sogar so eng mit der „Hand Gottes“ in Kontakt stand, dass gemeinsame Geburtstagsfeiern oder das eine oder andere Bier auf dem Sofa zur Tagesordnung gehörten. „Ich habe aber kein signiertes Trikot oder ähnliches von ihm, über dieses Stadium waren wir schnell hinaus“; verdeutlicht die 37-Jährige ihre freundschaftliche Bande zum argentinischen Superstar.

Dass es jetzt der SC Sand sein wird, um den sich Prelle in den kommenden Jahren kümmern möchte, ist ihr expliziter Wunsch. „Man hat bei ihr schnell gemerkt, mit welch einer Begeisterung sie bei der Sache ist“, verdeutlicht Team-Manager Gerald Jungmann, warum man sich für Prelle als Nachfolgerin von Claudia von Lanken entschieden hat, die große Fußspuren in Sand hinterlassen wird. Das Aufgabengebiet der neuen Geschäftsstellenleiterin ist nahezu unerschöpflich: Vom Kontakt zur obersten DFB-Spitze über die Organisation der Auswärtsfahrten bis hinunter zur Betreuung der Nachwuchsmannschaften, liegt alles in der Hand der fußballbegeisterten Werbekauffrau. „Ich fühle mich hier sehr wohl und freue mich auf die künftigen Aufgaben“, sagt sie nicht ohne zu erwähnen, dass sie fortan in ihrem neuen Wohnort Nußbach von Nachbars Hahn, anstatt der dauernd summenden Klimaanlage geweckt werden wird. Ob sich Diego Maradona in naher Zukunft ein Spiel der Bundesliga-Frauen des SC Sand anschauen wird, ist derzeit allerdings noch vollkommen offen …

Autor: Heiko Borscheid
Bildquelle: Heiko Borscheid
Veröffentlicht am 19.06.2020 um 10:43