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»Wir haben eine große Motivation« Interview mit Anne van Bonn

Frauenfußball: Spielführerin Anne van Bonn sieht SC Sand als »Sprungbrett« für junge Spielerinnen

Von Fritz Bierer

Bereits in die siebte Saison beim Frauenfußball-Bundesligisten SC Sand geht Anne van Bonn, die auch maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der »Dorfverein« 2014 in die erste Liga aufgestiegen ist. Mit 33 Jahren ist sie zwar nicht die älteste Spielerin beim SC, aber die routinierteste. Die studierte Bauingenieurin spielte vor ihrem Wechsel ins Hanauerland in Duisburg, Leipzig und Gütersloh, absolvierte 40 Länderspiele von der U19 bis zur U23. Mit Blick auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Frankreich glaubt van Bonn, dass die USA am morgigen Sonntag den vierten WM-Titel feiern kann. »Ihren« SC Sand sieht sie als »eine Art Sprungbrett für junge Spielerinnen«.

WM-Halbfinale bzw. Finale in Frankreich ohne Deutschland. Sind Sie enttäuscht, dass das Nationalteam bereits im Viertelfinale ausgeschieben ist?

Anne van Bonn: Enttäuschung würde ich das nicht nennen. Es war aufgrund der mangelnden Erfahrung im Team und des Trainerwechsels ein wenig abzusehen, dass es bei der WM nicht sehr weit gehen wird. Wenn man dann auch die Spiele gesehen hat und dann auch das Spiel gegen Schweden, dann muss man auch zugeben, dass es verdient war.

Sie haben die bisherigen Spiele im TV verfolgt. Welche Veränderungen im Spielsystem haben sie unter der neuen Bundestrainerin Voss-Tecklenburg erkennen können?

van Bonn: Das Spielsystem an sich hat sich meiner Meinung nach nicht verändert. Es war nur auffällig, dass während des Spiels viele Positionswechsel einzelner Spielerinnen vollzogen wurden. Weiterhin haben gerade die vier offensiven Spielerinnen immer wieder rotiert. Manchmal war es auch zuviel, sodass es schwierig war einen Spielfluss hinzubekommen.

Ihre Meinung: Welche Zukunft hat die verjüngte deutsche Nationalmannschaft oder was muss besser werden?

van Bonn: Man kann sicherlich noch einiges aus diesem Team herausholen und die Erfahrung wird sie stärken. Es fehlen gestandene Persönlichkeiten, sogenannte Charakterköpfe, die die Mannschaft mitziehen, führen und auch aufwecken können. Es muss Ziel sein, solche wieder zu finden und zu formen. Weiterhin fehlt der absolute Zug zum Tor und die Geilheit ein Tor zu erzielen.

Europameister Holland im WM-Finale: Eine Überraschung oder verdient?

van Bonn: Die Holländer sind schwach in die WM gestartet und haben sich ziemlich durch das Turnier gezittert. Anhand des Turnierbaumes ist es nicht unbedingt eine riesige Überraschung. Denn der Turnierbaum hat ihnen enorm in die Karten gespielt, da sich mit Frankreich, England und USA gleich drei Hochkaräter gegenseitig rausgekickt haben. Am Ende sind die Mannschaften aber verdient im Finale, denn sie haben ihre Leistung im entscheidenden Moment gebracht.

Hat Oranje gegen den dreimaligen Weltmeister USA überhaupt eine Chance? Wie kann man die Amerikanerinnen eigentlich schlagen?

van Bonn: Eine Chance haben beide Mannschaften. Ich glaube, dass die USA Weltmeister wird, wenn sie ihre Leistung abrufen können. Wenn die Holländer es schaffen, die USA früh zu pressen ist es aber möglich sie zu schlagen.

Mit Myrthe Moorrees hat der SC Sand jetzt eine Holländerin verpflichtet. Welchen Eindruck haben Sie von der neuen Mitspielerin nach den ersten Trainingseinheiten?

van Bonn: Myrthe ist gut mit uns in die Vorbereitung gestartet und hat sich bereits in die Mannschaft integriert. Das gilt allerdings auch für alle anderen Neuzugänge.

Mit dem SC Sand seid ihr zwar erst in der ersten Vorbereitungsphase, aber läuft bisher alles nach Plan und mit welchen Erwartungen blicken Sie der neuen Spielrunde entgegen?

van Bonn: Das ist eine Frage, die am besten das Trainerteam beantworten kann, aber ich denke bisher läuft alles nach Plan. Wir sind alle in einem guten Zustand aus der Pause gekommen und haben eine große Motivation für die kommende Saison. Wir wissen wie viel Arbeit noch benötigt wird, bis wir auf dem Platz wirklich harmonieren. Einige Spielerinnen müssen noch die Sprache erlernen und es fehlt natürlich noch die Abstimmung untereinander, aber für diese Dinge ist die Vorbereitung ja da.

Sie sind seit 2013 beim SC Sand, sind mit dem Club aufgestiegen, standen zweimal im DFB-Pokalfinale: Was macht eigentlich dieser »Dorfverein« so attraktiv für junge Spielerinnen, dass sie ins Hanauerland wechseln?

van Bonn: Die Attraktivität beim SC Sand liegt für junge Spielerinnen darin, dass sie hier die Möglichkeit haben erste Liga zu spielen. Wenn sie sich einem größeren Verein anschließen, sind sie häufig erst die Nummer 20 oder ähnliches und spielen dann eher in der zweiten Mannschaft. Hier können sie aber durchaus auch in der Startelf stehen und Bundesligaerfahrung sammeln. Der SC Sand kann somit eine Art Sprungbrett für junge Spielerinnen sein.

Sie sind mit 33 Jahren die routinierteste Spielerin im Kader. Beabsichtigen Sie die Karriere in Sand zu beenden und was planen Sie nach dem aktiven Fußball?

van Bonn: Die routinierteste Spielerin bin ich zweifelsfrei, aber nicht die älteste. Eine Mannschaft benötigt aber auch immer erfahrenere und ältere Spielerinnen, damit die »jungen Wilden« sich an ihnen orientieren und lernen können. Solange wie ich meine Erfahrung so weitergeben, meine Führungsrolle ausüben und vorangehen kann, bin ich zufrieden. Denn es ist ein Privileg solange sein Hobby zum Beruf machen zu können. Über mein Karriereende möchte ich nicht sprechen, denn ich freue mich auf die kommende Saison.

Was nach dem aktiven Fußball kommt ist dagegen kein Geheimnis – ich werde weiterhin diesem tollen Sport in irgendeiner Form erhalten bleiben. Aber ich werde voraussichtlich auch in meinem erlernten Beruf Fuß fassen. Ich bin studierte Bauingenieurin.



Anne van Bonn hat in ihrer Vita einige Erfolge:
L U-19-Weltmeisterin 2004
L Zweite der U-19-Europameisterschaft 2004
L UEFA Women’s Cup-Sieger 2009
L Deutsche Vizemeisterin 2005, 2006, 2007 und 2008
L DFB-Pokalfinalist 2003, 2007, 2015, 2016
L DFB-Pokal-Sieger 2009 und 2010

Autor: Fritz Bierer
Bildquelle: Fritz Bierer
Veröffentlicht am 07.07.2019 um 14:43

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