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Sandsturm

Ein Sieg für das Lebenswerk

Emily Evels lag Sekunden vor dem Schlusspfiff ausgepowert auf dem Platz und sehnte das Ende der nervenaufreibenden Begegnung herbei. So wie ihr ging es zu diesem Zeitpunkt allen, die dem SC Sand nahestanden und in der Meppener Hänsch-Arena mit von der Partie waren. Wer nicht körperlich am Ende seiner Kräfte war, der war mit den Nerven ziemlich am Ende. Immerhin ging es in dieser Partie beim Aufsteiger SV Meppen für beide Mannschaften um den Klassenerhalt. Den hat der SC Sand nach dem 2:0-Erfolg im Emsland zwar noch nicht in der Tasche, hat den Ligaverbleib jetzt aber bei einem Zähler Vorsprung auf den Nichtabstiegsplatz in der eigenen Hand. Eine Niederlage in Meppen hätte unweigerlich das Aus nach sieben Jahren Bundesliga bedeutet. Jetzt geht es in zwei Wochen im heimischen Kühnmatt gegen Bayer Leverkusen darum, den Deckel auf eine nervenaufreibende Saison zu machen.

Emily Evels hätte ihre grandiose Leistung beinahe mit einem Tor gekrönt, doch das Schiedsrichtergespann versagte dem Treffer in der 43. Spielminute seine Anerkennung. Ihr Schuss an die Unterlatte aus gut 30 Metern Torentfernung landete klar, und mit vollem Umfang, hinter der Torlinie – jeder im Stadion sah das, auch die Fernsehbilder belegten den Treffer, lediglich die Unparteiischen waren anderer Meinung. Sands sportlicher Leiter Sascha Reiß war aufgrund dieser Fehlentscheidung auf der Tribüne kaum mehr zu bremsen und verpasste fasst die zweite dicke Sander Möglichkeit, die Patricia George Sekunden später auf dem Fuß hatte. Zuvor war Dörthe Hoppius dicht davor, mit einem Fallrückzieher ein Treffer der Marke „Tor des Monats“ zu erzielen, Meppens Keeperin Kari Närdemann hatte allerdings etwas dagegen und lenkte das Leder zur Ecke. Die einzige Meppener Torchance im gesamten Spiel hatte ausgerechnet Agnieszka Winczo, die im vergangenen Jahr noch das Trikot der Ortenauerinnen trug, die aber aus sechs Metern Torentfernung über das Gehäuse zielte.

So mussten sich die Gäste, die einmal mehr von Trainer Alexander Fischinger ideal auf dieses Match eingestimmt wurden, bis zur 67. Minute gedulden, ehe ihr engagiertes Anrennen in Zählbares umgemünzt wurde. Chiara Loss, die mit ihren Gegenspielerinnen über die rechte Angriffssseite ein um das andere Mal Katz und Maus spielte, machte Meter für Meter – ihre Hereingabe wurde vor die Füße von Myrthe Moorrees geköpft, die von der Strafraumgrenze den Ball kompromisslos in die Maschen zum 0:1 hämmerte. Wer nun glaubte, des SC Sand würde in alte Muster zurückfallen und ähnlich wie gegen Duisburg postwendend den Ausgleich kassieren, der sah sich getäuscht. Angetrieben von einer unermüdlichen Evels, einer bärenstarken Moorrees und einer souveränen Jasmin Pal im Tor, ließen die Gäste bis auf den einen oder anderen Eckball in der Defensive nichts zu.

In Spielminute 86 sollte sich „der Schwur von Meppen“, den die Mannschaft zuvor abgelegt hatte, endgültig manifestieren. Die erst zwei Minuten zuvor eingewechselte Molli Plasmann setzte nach Vorarbeit von Loos den Meppener Hoffnungen auf zumindest ein Remis ein jähes Ende und vollstreckte zum 2:0-Endstand aus Sander Sicht. Damit war auch das „Wembley-Tor“ von Evels aus der ersten Halbzeit vergessen und niemand in der Hänsch-Arena konnte ernsthaft an der Berechtigung des Sander Sieges zweifeln. Die Elf von Trainer Alexander Fischinger war den Gastgeberinnen in dieser Partie in allen Belangen überlegen und hat es nun in zwei Wochen selbst in der Hand, in das achte Jahr in Folge in der Frauenfußball-Bundesliga zu gehen.

„Das war ein Krimi heute“, sagte Sands Manager Gerald Jungmann nach der Begegnung und war zunächst damit beschäftigt, seinen Puls wieder in geordnete Bahnen zu bekommen. „Das war allerdings erst Teil eins, Teil zwei folgt in zwei Wochen und da kommt nochmal eine Granaten-Mannschaft auf uns zu“, so Jungmann zum Spiel am 6. Juni gegen Leverkusen. „Allerdings haben wir uns aus den jüngsten drei Spielen Selbstvertrauen erarbeitet“, sagte der Manager, der nicht auf Freiburger Schützenhilfe in zwei Wochen zählt. Dort nämlich muss der SV Meppen zum Saisonausklang auflaufen. Ähnlich sieht es auch Sascha Reiß: „Jetzt haben wir ein echtes Finale zu Hause und können es aus eigener Kraft schaffen. Freiburg ist lediglich ein kleiner Joker, den wir aber hoffentlich nicht brauchen werden.“

Trainer Alexander Fischinger richtet den Blick bereits nach vorne: „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass es keinen logischen Grund dafür gibt, wieso wir das Spiel heute in Meppen verlieren sollten. Außerdem habe ich ihnen in Erinnerung gerufen, dass es hierbei auch um das Lebenswerk von Gerald Jungmann geht und sie es dem Verein schuldig sind, den Karren aus dem Dreck zu ziehen – das haben sie gemacht. Jetzt haben wir noch einmal zwei Wochen, in denen wir intensiv zusammen trainieren können, um dann in einem zweifellos schweren Finale den Klassenerhalt sicher zu machen. Die Spielerinnen haben gezeigt, dass sie gerne in dieser Konstellation zusammenbleiben würden und spielen daher in zwei Wochen gegen Leverkusen auch um ihre eigene Zukunft.“

SV Meppen: Närdemann – Emmerling, Krug, Weiss, Goad (67. Preuß) – Fullenkamp (59. Flaws), Schulte (67. Moraitou), Berentzen (82. Gismann), Endemann (67. Jaron) – Winczo, Becker.
SC Sand: Pal – Brandenburg (59. Jordan), Moorrees, Georgieva, Evels – Blagojevic (59. Sakar), Gentile (84. Balcerzak), Loos, Green (71. Browne), George – Hoppius (84. Plasmann).
Schiedsrichterin: Nadine Westerhoff (Bochum) – Zuschauer: keine – Tore: 0:1 Moorrees (69.), 0:2 Plasmann (86.).

Autor: Heiko Borscheid
Bildquelle: Robert Gertzen
Veröffentlicht am 23.05.2021 um 16:58

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